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Was soll das?

Gestern sah ich im Internet eine Grafik, in der, unter der Überschrift „Künstler in Deutschland“, behauptet wurde 1% der Bevölkerung würden Kunst schaffen, 99% könnten das tun. Hierzu musste ich ein paar Anmerkungen formulieren.

Das durchleben eines Prozesses kann kein Schaffen sein. In dem Moment wo ein Prozess erzeugt (geschaffen) und nicht durchlebt wird, ist er kein Prozess mehr sondern eine Performance. Diese Performance kann durchaus ein künstlerisches Dokument sein, welches teilweise erneut dokumentiert wird. Diese letzte Dokumentation ist aber nicht zwingend notwendig wenn wir als Beispiel an eine Theateraufführung oder an einen live Gig denken.

Sei es wie es sei, das was ein Künstler tut ist eine sehr vielschichtige Angelegenheit. Wenn wir an den Anfang einen durch ein Initial ausgelösten Prozess haben, wird vom Künstler verlangt diesen zu dokumentieren. Dies geschieht in den verschiedensten Weisen, durch Text, Bild, Musik … 

Es kommt also zu dem emotionalen oder gedanklichen durchleben des Prozesses eine handwerklich zu bewertende Dokumentationsarbeit hinzu, an die noch die zusätzliche Forderung nach einer Wirkung gestellt wird.

Diese Wirkung kann illustrativ, agitatorisch oder Fragen auslösend sein. Es ist davon auszugehen, dass ein neuer Prozess beim Rezipienten nur durch das auslösen von Fragestellungen erreicht werden kann. Hier ist aus meiner Sicht auch der Wert von Kunst anzusiedeln denn dadurch werden Menschen geistig genährt. Genau das ermöglicht Ihnen dann sich auch als Mensch weiterzuentwickeln.

Somit wäre ich ja schon zufrieden, wenn 50% der Menschen die mit Kunstdokumente konfrontiert werden lernen würden mit ihnen umzugehen und so in einen selbstdenkenden Prozess kämen, den sie noch nicht einmal dokumentieren müssten, sondern sich nur der Wirkung auf sie selber bewusst werden.

Beschäftigen wir uns noch kurz mit dem, in vielen künstlerisch tätigen Menschen tief verwurzelten, Begriff des Schaffens. Dieser leitet her von Schöpfung, somit von einer göttlichen Handlung in der eine Illusion zur Realität erklärt wird. Nietzsche sagte folgendes: „ Der Vorteil der Kunst gegenüber der Religion ist es, dass sie keinen Anspruch auf Realität erhebt.“. Somit sollte doch eigentlich jeder Künstler froh sein nicht zu schaffen, sondern mit seinen Illusionen und ihren Dokumentationen an der Bildung der Menschen zu arbeiten und diese Arbeit über den Verkauf von Kunstdokumenten finanziert zu bekommen. 

Das Abarbeiten an Material, das Scheitern in der handwerklichen Arbeit, das Verzweifeln im Tun gehören zum Leben aber nicht zum künstlerischen Prozess. Dies erfahren nicht nur Künstler sondern jeder Mensch.

Ebenfalls verstörend ist an der Aussage, dass 1% (oder weniger) der Menschen in Deutschland Kunst schaffen, 99% dies aber tun könnten folgendes: Hier wird das Missverständnis des Beuys Satz: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ auf die absurde Spitze getrieben. Genauso könnte man sagen 7% sind Beamte, 93% könnten es sein.
Ich bin sicherlich immer dafür den Kern der Beuys Aussage, nämlich das wir mehr Menschen brauchen die selbst, kreativ und somit nichtlinear Denken und Handeln, voran zu treiben. Die derzeitige gesellschaftliche Entwicklung lässt aber eher eine Bewegung in die andere Richtung erkennen.

Ich hoffe mit diesen Zeilen ein paar Denkanstöße gesetzt zu haben.

Cornelius Rinne

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HINTER DEM VORHANG

Es war im Herbst 2014, „die Kuratorin“ startete mit einer Performance und einer Ausstellung die Ausstellungsreihe „the garageproject“. Cornelius Rinne fragte sich und das Publikum dabei, was sich wohl hinter dem Vorhang befindet. Aber sehen Sie selbst:

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GEDANKEN ZUR KUNSTMARKTPROBLEMATIK

Wenn wir Produkt (Kunstdokument) und Prozess emotional von einander Trennen würden, käme es nicht zu oft sichtbar werdendem Selbsthass bei Künstlern und auch Kunstrezipienten. Ausserdem sollte jeder der Handel in diesem Bereich betreibt endlich begreifen, dass nicht jedes „luxury Gadget“ die Anforderungen eines Kunstdokumentes erfüllt, sondern eben nur der Schmückerei sowohl von Räumen, als auch der Eitelkeit des Erwerbers dient.
Das ist nicht verwerflich sondern nur eine Ausgeburt unserer Gesellschaft, die oft von der Einfältigkeit des Handels in all seinenFacetten bestimmt wird.

In diesem shop versuchen wir Ihnen Angebote zu unterbreiten, die durchaus schmückenden Charakter haben können, aber eben auch den Schritt des Kunstprozesses dokumentieren. Uns ist wichtig, dass Sie in sich hinein schauen und hören, um zu ergründen was gerade, während der Auseinandersetzung mit den Bildwerken, mit Ihnen passiert!

Kunstprozesse sind nicht dazu gedacht nur ein Wohlfühlumfeld zu schaffen, sondern um Gefühle und Gedanken in jedwede Richtung auszulösen. Dies verlangt von Ihnen als Betrachter Arbeit an sich selbst.
Daher auch das hier zu erwerbende Buch „Kunst kann man nicht kaufen„, denn jeder der sie sich erschließen will, muss sich „die Kunst“ erarbeiten!